Mit 17 Jahren verließ ich die Realschule. Ich stand vor der Frage, ob ich mein Hobby zum Beruf machen oder eine Ausbildung zum Polizeibeamten wählen sollte. Ich entschied mich gegen die Elektronik, mit der ich mich als Schüler lange Zeit beschäftigt hatte.
Nach knapp fünf Jahren, mit einer bestandenen Lebenszeitprüfung in der Tasche, verließ ich die Hamburger Polizei. Die Aufstiegschancen ohne Abitur waren zu gering. Also drückte ich erst einmal drei Jahre die Schulbank und begann danach in Hamburg ein Studium im Bereich Rechtswissenschaften. Mich interessierte die Kriminologie, die damals in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte. Außerdem zogen mich die Bereiche Rechtmedizin und Rechtspsychiatrie magisch in ihren Bann. Anwalt zu werden, lag weit außerhalb meiner Vorstellungskraft.
Während des Studiums jobbte ich als Geldtransportfahrer und arbeitete in den Semesterferien in einer Industriedetektei. Dort bemerkte schnell, dass es für viele Aufgaben keine adäquaten elektronischen Hilfsmittel gab. Meine Neugier war geweckt. Ich begann mich neben dem Studium mit den Bereichen Mikro-Überwachungsgeräte und Infrarotfotografie zu beschäftigen. Binnen eines Jahres waren meine Kenntnisse derart gefragt, dass ich ein Angebot als Geschäftsführer in einem Sicherheitsunternehmen erhielt.
Ich stand nach elf Semestern vor der Wahl, endlich wieder Geld zu verdienen oder in Tübingen weiter zu studieren, da damals nur dort ein Abschluss in meinem Lieblingsfach möglich war. Ich entschied mich zur Annahme des Jobs. Combat-Schießkurse, Sprengstoffschein und Schleuderkurse für Personenschützer machten mich für die neuen Aufgaben fit. Ich arbeitete als Personenschützer für Künstler und Geschäftsleute. Nach einiger Zeit beschäftigte ich mich fast ausschließlich mit dem Bereich Entwicklung von Sicherheitssystemen.
In den ersten Tagen des Januar 1981 wurde ich von der U-Boot-Kameradschaft Hamburg und den Polizeibehörden der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein gebeten, die Sicherheit anlässlich der Beerdigung des Großadmirals Dönitz zu gewährleisten. Auf Wunsch von Bundeskanzler Helmut Schmidt sollte vermieden werden, staatliche Organe in die Trauerfeier direkt zu involvieren. Man rechnete mit weit über 5.000 Trauergästen. Es war die größte Herausforderung meiner beruflichen Laufbahn. Eine so brisante Aufgabe, ausschließlich mit privaten Sicherheitspersonal zu organisieren, sucht bis heute seinesgleichen. Fast 6.000 Menschen kamen auf den kleinen Friedhof in Aumühle, um sich von dem Mann zu verabschieden, der Millionen von Frauen und Kindern die Flucht vor der Roten Armee mit Schiffen über die Ostsee ermöglicht hatte. Trotz Bombendrohung und üblen Beschimpfungen von Altnazis, die wir wegen des Hitlergrußes aus der Kirche zwangsweise entfernten, verlief eigentlich alles ziemlich reibungslos.
Es kam die Zeit der Flugzeugentführungen durch Terroristen. Ich verstand nicht, warum es für die Polizei nicht möglich sein sollte, in ein entführtes Flugzeug sehen zu können. Das sollte angeblich an technischen Hindernissen scheitern (Faraday'scher Käfig). Mit Unterstützung der Lufthansa entwickelte ich ein voll funktionsfähiges System. Da ich zwischenzeitlich eine Privatpilotenlizenz besaß und das Allgemeine Sprechfunkzeugnis für den Instrumentenflug bestanden hatte, durfte ich während des laufenden Betriebes auf dem Gelände des Flughafens Hamburg mit Funkwellen in einem abgestellten Flugzeug hantieren. Wir unterbrachen die Tests jedes Mal, wenn ich auf einer der Frequenzen von An- oder Abflügen erfuhr.
Wenige Monate später trat die Geschäftsführung des international bekannten Waffenherstellers aus Oberndorf am Neckar an mich heran. Man hatte erfahren, dass eine US-Firma mit einem interaktiven Schießsystem experimentiert. Interaktiv bedeutet, dass ein in einem Film sich bewegender Täter in Abhängigkeit zu einem Treffer aus einer Laserwaffe agiert. Bei einem Körpertreffer fällt er um, bei einem Fehlschuss feuert der Täter im Film zurück auf Schützen. Man wollte wissen, ob ich mir zutrauen würde so ein ähnliches System, aber für den Schuss mit scharfer Munition zu entwickeln. Ich bat um Bedenkzeit. Nach sechs Monaten war der Prototyp entwickelt. Unglücklicherweise stand der Waffenhersteller wenig später kurz vor der Insolvenz und wurde nach England verkauft. Für technologische Entwicklungen war kein Geld mehr vorhanden. Um dieses Projekt weiterentwickeln zu können, nahm ich mir einen Partner aus dem Bereich Datenverarbeitung. In Merseburg entstand eine kleine Firma, die Schießanlagen für die Polizei lieferte. Heute ist dieses Unternehmen Marktführer im Bereich Polizei- und Sondertruppenausbildung und agiert weltweit.
1994, die Ära der Apartheid in Südafrika war gerade zu Ende gegangen, da brach die staatliche Ordnung zusammen. Südafrika wurde zu einer Hochburg der Kriminalität. Ein Schweizer Unternehmen fragte bei mir an, ob ich ein Trainingszentrum für Schieß- und Verhaltenstraining entwickeln könnte. Es sollte aus drei unterirdischen Schießbahnen und Schulungsräumen bestehen. Mit der Erfahrung aus dem Unternehmen in Merseburg plante ich ein für den afrikanischen Kontinent einmaliges Schulungszentrum. Nach zwei Jahren war das "Mungo-Trainingszentrum" vor den Toren Johannesburgs fertig. Ich übernahm die Leitung dieser Ausbildungsstätte und entwickelte in Zusammenarbeit mit aktiven und ehemaligen Führungskräften der Polizei und der Sicherheitsindustrie ein Programm, das bis heute weltweit seinesgleichen sucht. Nicht gebunden an die strikten Gesetze in Deutschland wurden Trainingsinhalte entwickelt, die in wirklichen Notsituationen den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Dabei lag der Schwerpunkt der Ausbildung im Bereich Verhaltenstraining in lebensbedrohlichen Situationen.
Acht Jahre nachdem der ersten Spatenstich für das Trainingszentrum kehrte ich zurück nach Deutschland. Hier widmete ich mich erneut dem Thema Ausbildung, denn mit der Erweiterung des Schengen-Raumes stieg auch hier die Kriminalität stetig an. Die massenhaften Einbruchdiebstähle organisieren heute sehr oft Kriminelle aus Rumänien und Bulgarien und der sogenannte Enkeltrick wird von einigen hundert Roma aus Polen gesteuert.
Einen weiteren Tätigkeitsschwerpunkt bildet die Sicherheitsberatung von Unternehmen und Einzelpersonen. Aufgrund einer Vielzahl von technischen Eigenkonstruktionen, die nur persönlich erworben werden können, minimiert sich das Risiko, dass Täter die verwendeten Sicherheitseinrichtungen erkennen. Hierzu gehören selbstauslösende Notrufanlagen, Vitrinen- und Panzerschranksicherungen sowie Ortungsgeräte für Personen und Gegenstände.